Zuhause in Kairo

Ei1098195_10209291794672101_293448716377744998_nn Glas Rotwein, fernsehen auf meinem eigenen, neuen Sofa, auf dem Tischchen daneben ein deutsches Buch und eine deutschsprachige Zeitschrift. Ich habe gebügelt, gekocht und gegessen, es ist halbwegs ordentlich. Natürlich bin ich müde, wenn ich früh aufgestanden bin, habe aber nicht mehr das Gefühl, ich müsse nach Schulschluss unbedingt als erstes ins Bett und Mittagsschlaf machen. Der Fernseher läuft im Hintergrund und die arabisch Unterlagen für den morgen wieder beginnenden Unterricht liegen bereit; eine Ikea Zimtkerze brennt, Kater Filou hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht und schläft. Angekommen und zuhause in Kairo!

Gewohnt habe ich hier ja schon länger und es war auch meistens ok. Aber zuhause war ich noch ganz lange in München. Letztes Jahr im Winter dann München abgegeben. Kairo fühlte sich gut an, aber nicht zuhause. Besuch in Deutschland ist derzeit immer Besuch bei der Familie. Schön, aber auch nicht zuhause. Zuhause war ich in München.

Dass ich keinen richtigen Abschied von Deutschland hatte, sondern einen fliessenden Übergang nach Kairo, wurde mir erstmalig bewusst, als wir in Anafora zu einem besinnlichen Wochenende für die „Neuen“ der Schule waren. Dort wurden wir gefragt: Wie hast Du Deinen Abschied in Deutschland empfunden? Und ich hatte gar nichts empfunden, weil ich keinen echten Abschied von München hatte. Selbst, als ich die Wohnung aufgegeben hatte, standen dort noch immer 18 Kisten im Keller.

All das hat sich geändert. Mit dem Schulbeginn an der neuen Schule. Dort habe ich mich eingelebt und glaube, meinen Platz dort gefunden zu haben. Seitdem treffe ich Kollegen auch in meinem Alter und älter und geniesse das sehr. Seitdem bin ich Mitglied in der deutsch-evangelischen Kirchengemeinde in Kairo und fühle mich dort willkommen. Seitdem singe ich in der Cairo Choral Society und bin dort glücklich. Was für bewegende Momente während der Konzerte der Lord-Nelson-Messe von Haydn Anfang Dezember. Und trotzdem sind die bisherigen Freunde nicht vergessen. govad habe ich gerade jetzt Anfang Januar als Vorbereitung für den Metal Battle in 2017 wieder gestartet.

Mama war da. Und das war toll. Mit allem ach und weh das Kairo so mit sich bringt, hatten wir eine tolle Zeit. Vielleicht war das auch mit ausschlaggebend, es nocheinmal einen Schritt mehr in der Wohnung zu meinem Zuhause zu machen. Es ist noch immer die tolle Roof Top Wohnung in Mohandessin, sie ist noch immer möbliert. Aber für den Schritt von möblierter Wohnung zu „ich bin zuhause“ fehlte ein eigenes Sofa, ein Bügeleisen und mein sauberer Staubsauger, ein paar Fotos und Erinnerungen und ein paar Kuschelkissen. Die Vorhänge hat mein Kunstkollege ausgesucht, die Sofakissen meine Kunstkollegin. Kunstkollegen sind einfach toll 🙂 Jetzt wird noch gestrichen und das Parkett sauber gemacht, immer mal wieder so Schritt für Schritt. Aber das wichtigste ist geschafft und das Gefühl zuhause zu sein, hat sich erst in den letzten zwei, drei Tagen eingestellt. Mit dem zufriedenen Abschluss des ersten Halbjahres an der neuen Schule, mit guter Zeit mit neuen Kollegen und alten ägyptischen Bekannten, mit einem deutschen Buch und einem Kater, der neben mir auf dem Sofa schnurrt und Fernsehen schaut.

Ich bin angekommen und zuhause in Kairo.

PS: Hier fehlen noch die Kuschelkissen und der Kater. Bei Ikea waren wir erst nach dem Foto 🙂
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