Urbanes Leben

Mir ist ein bisschen die Leichtigkeit des Schreibens abhanden gekommen. Das darauf los erzählen. Das spontane. Und manchmal erlebe ich eine Schreibblockade, obwohl ich dieses Wort hasse. Dann aber fällt mir nichts zu schreiben ein, und ich muss mich wirklich sehr motivieren, meine Journalisten Hausaufgabe zu machen. Obwohl ich wesentlich besser schreibe, wenn ich mir meine Themen selbst aussuchen kann, bin ich dann manchmal doch erleichtert, wenn es gilt, einen vorgegebenen Text zu redigieren.

Es sind nur noch einige wenige Lernhefte, dann kommt die Abschlussarbeit. Ich habe zwar Wünsche, was ich dann gerne machen würde, weiß aber noch nicht, wie ich die realisieren könnte. Als freie Journalistin für ein gutes Medium zu schreiben, das ist sowieso schwierig. Noch weiß ich auch nicht, wie ich überhaupt professionell Zugang zu den Medien erhalten kann. Redakteurin ist wohl sowieso nicht meine Aufgabe, denke ich heute. Ich habe noch angefangen mit Philosophie. Eine andere Art des Denkens, eine andere Art der Sichtweise. Sehr spannend. Voll einsteigen kann ich da aber erst, wenn die Journalistenausbildung fertig ist. Kulturwissenschaftliches arbeiten ist immer noch mein Ziel.

Es erschreckt mich ein bisschen, wie viel Raum immer noch die Schule einnimmt. Obwohl ich nur drei Tage pro Woche unterrichte und nach meinem Empfinden der Unterricht, die Vorbereitung und das drumherum gut läuft. Ich nehme die Schule immer mit ins Wochenende, obwohl ich derzeit mehr Wochenende als Schule habe. Nicht das Tun selbst, die Vorbereitung beispielsweise, sondern die Gedanken, die um die Schule kreisen, nehme ich mit. Mindestens ein Tag des Wochenendes ist mit Schulgedanken belegt und blockiert Kreativität, Tatendrang und Schreiblust. Da bin ich dann immer sehr froh, dass ich nicht nur zwei Wochenendtage habe. Eine Freundin, auch Lehrerin an einer anderen Deutschen Schule, kam gestern nicht zur Ladies Night Geburtstagsfeier, weil sie den Kopf voll hat mit Schule und nicht abschalten kann. Wenn der Druck zu viel wird, geht nichts anderes. Selbst für schöne Dinge wie feiern gibt es dann keinen Raum. So ergeht es mir gottlob nicht, doch ich weiß, dass es anderen ebenso ergeht.

Schule soll aber einen Raum haben, ich mag das Unterrichten. Drei Tage sind super. Die Frage zum Ende des alten und Beginn des nun neuen Jahres war aber, was wie Platz im Leben hat. Da galt es Entscheidungen zu treffen. govad MUSIC als Agentur gibt es nicht mehr. Zwar werde ich bei Bedarf mit meinem Team noch die Soundbranding Lösungen umsetzen, aber das ganze Thema Künster- und Konzertmanagement ist Vergangenheit. Bis auf Wacken natürlich, daran hängt mein Herz.

Also Schule soll es zum Teil sein, govad MUSIC nicht mehr. Schreiben soll es sein und meine Marketing- und Social Media Kenntnisse möchte ich auch wieder nutzen. Content ist wichtiger Bestandteil von Marketing 4.0. , das hat wiederum zu tun mit Schreiben und mit Marketing. Und wie es der Zufall will, habe ich mich in der Schule verantwortlich für den Content der neuen Schulhomepage gemeldet. Zusammen mit dem allgegenwärtigen Thema Digitale Schule ist da ein sehr spannendes Betätigungsfeld erwachsen. Beratung für Public Relations und Marketing 4.0 mit den Schwerpunkten Kommunikationskonzepte und Prozessmanagement für Digitale Schule sowie Emotional Marketing, Marketing 4.0 mit Soundbranding. Auch das Ressort Wissen hat während der Ausbildung mein Interesse geweckt, hätte ich auch nicht für möglich gehalten. Bildung ist ein großes Thema im Bereich Wissen. Bis Mai soll aus all diesen Puzzlesteinen und der neuen Expertise und Fallbeispielen dann ein handfestes Konzept werden. Schule, Musik, Schreiben, Marketing. Passt zu mir, finde ich.

Ich komme jetzt seit acht Jahren nach Kairo. Bin immer noch auf einem Sprachniveau, für das ich mich eigentlich schämen sollte, doch auch für Vokabeln lernen habe ich den Kopf nicht frei. Ich bin gewachsen in den acht Jahren. Fühle mich aber ansonsten nicht wesentlich anders als vor zehn Jahren. Wieder ein bisschen selbstbewusster und glücklicher. Downtown Kairo tut mir gut. Habe das Gefühl, hier ein Teil der Stadt zu sein. Ein Zuhause zu haben. Für meine Weihnachtsgrüße erfand ich den Slogan „das herz in kairo zuhause in der welt“. Bewusst in Kleinbuchstaben verfasst. Denn dann ergeben sich daraus nicht nur die zwei offensichtlichen Aussagen „das Herz in Kairo“ und „zuhause in der Welt“, sondern auch “ in Kairo zuhause“. Und alles stimmt irgendwie. Hier lebt Kairo. Hier kennt man mich. Und wenn die Strassen abends beleuchtet sind zwischen den ehemals prunkvollen Altbauten und Leben auf der Strasse ist, dann fühlt sich das an wie jede andere Hauptstadt auch. Es könnte auch Paris oder Berlin sein. Urbanes Leben. Erst gestern wurde viel gelacht, denn mein Geburtstagsbesuch, alles „Mädels“ übrigens, fragten nach dem Weg. Ahh, Monika, ja da vorne links. Man kennt mich, denn ich gehöre dazu. Ins Shisha Cafe, ins Haus, in die Strasse. Ich werde mit Namen angesprochen und fühle mich respektiert. Komme mir auch nicht komisch vor. Hier in dem hundert Jahre alten Haus leben Journalisten, Künstler, Musiker, Tänzer, Schreiner, Philosophen. Und jetzt auch ich. Und das ist gut. Ich liebe diese Wohnung. Mein Arbeitsplatz in der Loggia ist traumhaft. Seit gestern hängt hier auch ein wunderschöner Traumfänger. Denn die Träume, die hier beim Schreiben entstehen, sind wertvoll, gelebt zu werden. Spring, und das Netz erscheint von alleine. Da war doch was. Aber noch muss ich mich ein bisschen sortieren, damit ich genau weiß, wo ich landen möchte.

das herz in kairo zuhause in der welt

Schön!