… und kein bißchen leise

Ob ich weiser geworden bin in den letzten zehn Jahren? Ja, ich glaube schon. Weit entfernt von perfekt und weit entfernt von leise. Ich lache oft zu laut und wenn nötig, schimpfe ich auch zu laut. Und ich kann mich wahnsinnig aufregen, vor allem darüber, daß ich mich eigentlich nicht wirklich aufregen darf. Jedenfalls nicht öffentlich. Also weder in der Schule, noch in irgendeinem öffentlichen Raum noch schriftlich. Das Klappe halten widerspricht mir total und zumindest schriflich bin ich ja gerade dabei, zu lernen, wie man sich professionell aufregt. Alles andere bekomm ich schon hin, ist aber ab und zu eine Herausforderung.

Ich bin nicht mehr nett!

Also jedenfalls von der Grundhaltung her. Kickasslady paßt zu mir viel besser. Schluß mit investieren für andere ohne Benefit für mich. Ich habe jetzt dreißig Jahre Berufserfahrung in allen möglichen Bereichen rund um Marketing, Projekt und Event/ Musik. Da arbeite ich weder für zehn Euro die Stunde noch investiere ich in andere Leute. Projekte, die weder Spaß noch Geld bringen, werden nicht mehr gemacht. Ich habe eine klare Vision davon, wie ich in den nächsten Jahren leben werde, und das werde ich auch realisieren. Angst vor dem was da kommen könnte, habe ich ansatzweise immer nur dann, wenn ich Menschen um mich herum habe, die meinen, die Macht zu haben, mir Angst machen zu können. Das nervt und ist unglaublich anstrengend, sich selbst immer wieder zu sagen „nein, das lasse ich mir nicht einreden“. Schön ist es, auch mal weniger machen zu können, und es funktioniert trotzdem. Eine meiner besten Lernerfahrungen der letzten Zeit.

Mein Leben ist bunter und lebendiger.

Durch Kairo, durch eine gewisse Lebenshaltung und durch diese kleine Miezekatze hier. Und bunt ist schön. In meiner Geburtstagswoche dachte ich „ach, so müßte man doch immer leben“, denn ich hatte mir ein Bier gegönnt und Auszeiten, Feier mit Freunden und einen Geburtstagsausflug in die Wüste. Und mir wurde wieder bewußt, daß mich nichts und niemand daran hindert, das ganze Jahr über Geburtstagswochen zu haben. Ich hatte weder Urlaub, noch hat sich die Welt um mich herum geändert. Einer meiner schönsten Geburtstagsglückwünsche, die mich erreichten, war „bleib so unangepaßt“. Darüber habe ich mich sehr gefreut, daß ich auch als Person anscheinend bunt bin; und das ist gut so.

Alles was wichtig ist, ist relativ.

Das durfte ich wieder einmal an einem der faszinierendsten Orte erfahren, die ich kenne – in der Sahara. Ich wollte mich immer schon mal trauen, in der Wüste zu übernachten. Und somit habe ich zu einem Geburtstagsausflug in die Wüste ins Fayoum eingeladen. Zwei unglaublich faszinierende Tage. Wir haben so viel gelacht, gestaunt und gestrahlt. Es war ein bißchen anders als die bisherigen Ausflüge mit Mama oder Eltern, einfach altersbedingt. Wir haben einen Schakal gejagt. Ok, mit dem Jeep. Guck mal, da ist ein Schakal, den schauen wir uns von näher an. Und schwups, gab unser Guide Gas und raste dem Schakal hinterher. Sah ehrlich gesagt aus, wie ein großer Hund, aber es hat Spaß gemacht. Wir sind in Höhlen geklettert, haben Sandboarding ausprobiert, die Walknochen angeschaut und das ganze Wadi Hitan durchwandert, gegrillt, Karnevalslieder gegrölt, Polonaise mit den Beduinen getanzt, eine Nachtwanderung gemacht und Sterne angeschaut. Im Zelt geschlafen, durch Dünen gefahren, einen unserer Jeeps ausgegraben und die Welt um uns vergessen. Nur zwei Stunden von Kairo entfernt. Inmitten einer faszinierenden Stille und Weite. Ich wollte schon Beduinenfrau werden. Doch dann müsse ich zuhause kochen und nähen, hat man mir gesagt. Ich wäre aber eine Beduinenfrau, die mit den Männern in die Wüste fährt. Da haben nur leider die Beduinenmänner was dagegen. Mein Kollege wollte mich für nur ein Kamel verkaufen. Weil ich ja gar nichts kann, was eine Beduinenfrau so können muss. Na bravo.

Wie nah Kairo dann doch ist – politisch gesehen –  erfuhren wir dann aber, als gerade unser Übernachtungscamp aufgebaut war. Vor einem Felsen, mitten im Sand mit Blick über die Sahara. Der Onkel von unserem Guide kam vorbei gefahren und unser Guide meinte dann, es gäbe ein Problem. Ägypten plane einen Militärschlag gegen die Terroristen, daher müssen alle Touristen – nicht zu verwechseln – über Nacht die Wüste verlassen. Das Militär überflöge die Wüste nachts. Die Botschaft hatte morgens auch eine Sicherheitswarnung gesendet, die aber niemand gelesen hat. Gefährlich sei es nicht, aber man wisse ja nie und der Onkel sei extra angerufen worden. Wir verbrachten die Nacht dann in einem dauerhaft aufgebauten Camp mit Zelten, Lagerfeuerstellen und Toiletten. Das tat unserer Stimmung keinen Abbruch, aber wir beschlossen, Mitte März nochmal wieder zu kommen und dann wirklich im Sand zu übernachten.

Inshaallah – wenn Gott will.