„Professional bad ass“ anstatt klingel klangel

Set up fertig. Mehr oder weniger. Das war der Plan und er ging mehr oder weniger auf. Aber es kamen erfreuliche Momente hinzu, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Auch mal schön, posiive Überraschung. 

Kein entweder oder.

Ich mag es nicht, wenn man versucht, mich in eine Schublade zu quetschen, in die ich weder will noch hin gehöre. Ich kann sein, was ich will. Musiklehrerin, Inhaberin von govad MUSIC, Promoter für den Metal Battle. Mein Lebensmittelpunkt ist Kairo und von hier aus kann ich starten, wohin ich möchte; Ende September geht es zum Beispiel zum Audio Branding Congress und den MetalDayz nach Hamburg. Ich will beides, ich kann beides, ich mache beides. Und ich mache es gut. Notwendig war nur ein Set up, dass mir den Freiraum dafür schafft. Check, erledigt. Es ist wahnsinnig viel, was an Ideen, Emotionen und Kraft notwendig war dazu, aber jetzt fühlt es sich gut und richtig an.

Libanon, wir kommen!

Ich freue mich total auf den Metal Battle im Libanon im nächsten Jahr und auch über die Entscheidung. Es hat mich beeindruckt, wie mein Kollege aus all den Informationen so präzise formulieren konnte, wie sich die Situation hier darstellt. Genauso ist es, und ich treffe wirklich selten jemanden, der so konkret die Lage überreisst und es so zusammenfassen kann ohne jegliches Geschwätz und bla bla. Sehr beeindruckend. Libanon… cool. Unglaublich schön, nicht einfach aber liberaler und sehr nette Leute und wirklich schöne Männer. Zeit, endlich hocharabisch zu lernen. 

Zeit ist es auch für ein Rebranding von govad. 

Es hat gedauert, bis ganz klar war, wohin es geht und was govad MUSIC wirklich macht. Es war einfach, herauszufinden, was ich nicht mehr mache. Irgendwelche ägyptischen Bands oder sonstwelche Künstler zu managen und zu supporten. Frustrierend und emotional sowie monetär ein Verlustgeschäft. Weg damit. Dann sollte daraus Künstler Marketing werden, aber welcher Künstler hat schon ein Marketing Budget. Und für die grossen macht es das Label mit. Weg damit.

Dass es in Richtung Sound Branding geht, ist schon seit einigen Monaten klar. Aber erst jetzt steht das komplette Produktportfolio inklusive Preise. Um zu zeigen, wie es geht, habe ich Samples für das govad Logo erstellt. Differenziert für die Wortmarke und die Wort-Bildmarke und ein Earcon. Passt schön zur Grafik. Ach, die ist ja so nett. Aber so hundert prozentig überzeugt war ich nicht. Ja, ich kann genau begründen, was ich da erstellt habe und warum. The Love Song for your Business. Aber wir machen nicht The Love Song… Wir machen Sound Design. Professionelles Sound Design.

Von meiner Assistentin, eine wirkliche Bereicherung für Leben und Agentur, bekam ich Feedback. Sie studiert Psychologie, was sich für Markenmamagement als Glücksfall entpuppt. Ich habe schon öfter gehört, dass meine Aussagen sehr stark sind. Aber die Aussage für govad ist nicht The Love Song bla bla sondern Musik Business. Aber auch nicht interkulturelles mit Brücken schlagen und so. Sondern Sound Design. In Kombination mit der Bedeutung von govad, begegnen, und der Logo Farbe beschrieb meine Assistentin mich und govad als „professional bad ass“. Hitting the edge. Eine Message genau auf den Punkt bringen. Eine Aussage, die Geschichte der Firma, die Message des Grafiklogos musikalisch genau auf den Punkt bringen und im Sound Logo in fünf bis maximal 10 Sekunden, zwei bis maximal vier Takte. Einen Song schreiben ist einfacher. Intro, Strophe, Refrain, B-Strophe, Refrain, Outro, Begleitung nach Schema. Nicht auf den Punkt, aber ein Song. Fünf Sekunden sind eine Herausforderung. Eine unglaublich spannende Herausforderung. Mit dem Metal Battle Logo fangen wir an, erstes Briefing, erste Idee für das Storyboard ist gemacht und alle Beteiligten sind ausserordentlich aufgeregt, denn wir sind die Einzigen in Ägypten neben wenigen in Middle East, die es überhaupt können. Und jemanden wie mich, die die Sprache der Kunden als auch der Musiker spricht, gibt es fast gar nicht. Fünf Sekunden für die Message „get ready to rumble metalheads“ und wir reden hier von Bassline, Icebreaker, Voice Over, Logo Animation. Brain Storming, Grafik Arbeit, Studio Arbeit, Kundenabstimmung. Da kursiert gerade eine unglaubliche Energie, die weit entfernt ist von business as usual. Das ist unglaublich.

So, und was ist jetzt die Aussage von govad MUSIC? A Sound Design Company? Ist das bad ass genug? Oder zu brav? Ws machen wir mit der Bildmarke? Wir töten die Musikermännchen 🙂 Das mit bad ass hab ich so ähmlich schon mal gehört. Nicht nur, dass meine Aussagen stark sind, sondern auch meine persönliche Ausstrahlung muss zumindest manchmal auch Energie und Stärke vermitteln. Ach, wenn die wüssten. Jedenfalls hat mich ein Kollege aus Schweden, der hier bei uns in der Jury war vor Jahren und den ersten Metal Battle in Kairo miterlebt hat, als Kickasslady bezeichnet. Niemand fühlt sich permanent als Kickasslady. Aber ich hatte zu lange mich bemüht, eine typische Grundschullehrerin zu werden, anstatt mich an Kickass zu erinnern. Doch, ich kann auch in der Grundschule unterrichten und inzwischen mache ich es auch richtig gut. Aber eben nicht nur. Da ist jetzt noch Libanon und das Sound Design und Kairo und wer weiss, was noch alles. Bei dem, was hier oft alles zusammenprallt, ist das kickass oft untergegangen. Es wird nicht immer dominieren, aber es ist wieder da! Haare wieder ab, Farbe rein, meine schönen Sachen wieder anziehen und dann sieht man es auch wieder. Dauert noch einen Moment, nächster Schritt.

Ramy Essam klingt noch immer wie das Kairo, das ich lieben lernte

Als ich für das Thema Middle East die allgemeine Situation beschrieb, begegnete ich Ramy Essam virtuell wieder. Sein neues Album, aber auch die Filme El Midan und Art War. Ich hatte seinen Sohn schon auf dem Arm, traf ihn, als er hier noch lebte, mehrmals im Studio, wollte das Solidarity Festival u.a. mit ihm machen und wir diskutierten Schulaktivitäten. Kenne seine Geschichte und inzwischen ist er längst in Schweden. Doch als ich sein neues Album gehört habe, hab ich geheult. Das ist noch immer die Stimme, die so klingt wie das Kairo, das ich damals lieben lernte. Kairo damals, das hat was mit den Menschen gemacht und das vergeht nicht. Es macht was mit ihm, und ich höre es. Immer noch.

Auch Kairo heute macht etwas mit uns. Aber wir wissen nicht, wohin es führt. Es herrscht eine von latenter (?) Zukunftsangst geprägte Anspannung in der Stadt. Und da ist kickass nicht immer leicht.