Podcast Interview „Das Chaos ist eine Chance“

Im Moment ist alles ganz schön viel.

Die Schule ist toll! Nicht immer ganz einfach, denn die Attitude die man bei den Ägyptern findet, gehen auch auf die Kinder über. Keine Lust. Zu anstrengend nachzudenken und was ist schon Geld… Dass diese Schule für die SchülerInnen eine Chance ist, verstehen die wenigsten. Von den Kleinen kann man das auch noch nicht erwarten, aber die Haltung „ich will alles for free denn mein Papa hat Geld“ ist in den älteren Klassen manchmal gar zu offensichtlich. Schade für die Kinder, denn dass es so nicht funktioniert, sieht man im ganzen Land und die Erfahrung mache ich ja auch mit den Bands. Jeder will ein Rockstar sein aber keiner üben oder neue Wege gehen.

Trotzdem haben wir den Call for Bands für Wacken gestartet und ich habe etliche Bandmitglieder getroffen und diskutiert und die Bewerbungen für den Bandcontest besprochen. Dabei kristallisiert sich schnell heraus, wer wirklich ernsthaftes Interesse hat oder wer zwar große Träume hat, aber nicht bereit ist, dafür auch etwas zu tun. Wer in einer globalen Welt den Anspruch hat, wettbewerbsfähig zu sein, muss sich auch den internationalen Anforderungen stellen – im Leben, im Business und in der Musik. Das ist ja kein Muss – aber mithalten wollen ohne etwas dafür zu tun, das funktioniert nicht.

Es zeichnet sich derzeit ab, als würde der Metal Battle zwischen den wirklich guten High Level Bands hier in Kairo stattfinden und das wird dann natürlich umso spannender!

Jedenfalls habe ich den Unterricht in der Schule in drei Teile geteilt – Musiktheorie, Musik hören und verstehen und Musik aktiv. Die Instrumente sollen Ende des Jahres per Container aus Deutschland kommen. Inshallah – Wenn Gott oder wer auch immer will. Trotzdem ist aus dem leeren Zimmer mit einem Post It „Musik“ inzwischen ein richtiger Musikraum geworden. Dank der Engagements verschiedener Kollegen die eine alte Orgel, Xylophone, Triangel, Samba Eier etc. irgendwo gefunden und uns zur Verfügung gestellt haben. Und auch nicht zuletzt aufgrund des Engagements der Kinder. Wir haben nicht nur eine Aktivität in der Grundschule „Instrumente bauen“, sondern auch im Unterricht selbst gestalten wir viel selbst.

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Derzeit mache ich „Klangwochen“ in der Schule. Mit den Jüngeren „Klanggeschichten“ – Hanni hat Geburtstag und ist schon ganz aufgeregt… und dann muss „aufgeregt“ mit Instrumenten oder Klängen dargestellt werden. Die Älteren dürfen wählen zwischen einer eigenen Klanggeschichte, Rhythmus macht Schule oder Singen. Sehr laut, sehr anstrengend, sehr lustig. Heute war ich gar nicht in der Schule, weil ich mir mit einer Erkältung die irgendwie nicht weg gehen will, das linke Ohr ruiniert habe – Bluterguss im Trommelfell. Passiert sonst eigentlich nur beim Tauchen, wenn man mit Erkältung tauchen geht und zu schnell hoch kommt und den Druckausgleich nicht machen kann. Dann erfolgt der Druckausgleich sozusagen mit Gewalt und drückt das Trommelfell mit Gewalt zurück. Dass das auch bei einer Erkältung beim Nase putzen passieren kann musste ich nun schmerzhaft erfahren und habe mal mit links nichts mehr gehört. Jetzt habe ich für eine Woche Antibiotika und dann sollte das wieder gut sein und das Herbstwetter mir nichts mehr anhaben.

Ja Herbstwetter, seufz. Regen vermisse ich, einen ordentlichen Schweinsbraten und mein Orchester. Und einige alte Freunde. So richtig echte Freunde. Leute kenne ich ja hier genügend, aber mit „zuhause“ ist es einfach nach einigen Monaten noch nicht zu vergleichen. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Erfahrungen derzeit hier machen darf.

Etwas nervig ist es allerdings, dass ich Ende dieser Woche umziehen muss. Meine Mitbewohnerin, die Hauptmieterin, braucht alle Zimmer für sich selbst bzw. für ihre Schwester und jemanden der zurück kommt und zack hieß es dann ohne große Diskussion „ok, ihr müßt alle ausziehen“. Inzwischen freue ich mich auf mein neues Zimmer in Mohandessin. Auf der anderen Seite vom Nil und ein bißchen mehr ägyptisch als Zamalek, die Nilinsel, mit den ganzen Botschaften und Cafes. Zamalek ist schon speziell und auf die Dauer dann auch irgendwann langweilig. Von daher habe ich nun mit der neuen Situation Frieden geschlossen, ums Koffer packen, umziehen, neu einrichten etc komme ich trotzdem nicht drum herum. Beständigkeit ist etwas, was in Kairo oft fehlt. Dabei ist ein Zimmer ja nicht nur ein Bett zum Schlafen sondern auch ein Zuhause und da ist es schon schade, das jetzt aufgeben zu müssen. Aber ok.

Wenn ich morgens mit dem Schulbus abgeholt werde, fahren wir durch Kairos Straßen und sammeln quasi die Kinder die in unserem Bus mitfahren ein. Das ist morgens um viertel nach sechs und auch wenn das komisch klingt, ich finde das toll. Ganz früh morgens ist Kairo noch leise. Es ist spannend zu sehen, wie Kairo morgens aufwacht. Es ist schön, die Eltern der Kinder zu sehen. Auch zu sehen, wo unsere Kinder denn so wohnen und an jeder Strassenecke wird Frühstück bereitet, meist Foul oder Falafel und die Obststände riechen so toll. Das ist schon etwas anderes als ein Metro-Supermarkt, der ja doch recht europäisches Niveau hat. Ja, ich finde es schön, bei Sonnenaufgang durch Kairo zu fahren.

Von Mohandessin verspreche ich mir eine Mischung aus Zamalek und Garden City. Sauber wie Zamalek aber auch ein bißchen ägyptisch wie Garden City geworden ist. Wie heißt es so schön wie immer? Hanshouf – we will see.

Wenn ich noch Zeit finde, beschäftige ich mich wieder abends mit Kulturwissenschaften – das Semester hat begonnen und derzeit steht Geschichte – Erinnerungskultur und die Logik von Aristoteles sowie Erkenntnistheorie in Philosophie auf dem Programm. Der Tag ist irgendwie immer viel zu kurz aber das ist ja ganz gut so.

Gestern ist nun auch mein Podcast Interview fertig geworden. Robert hatte ich im letzten Jahr in Kairo kennengelernt. Er ist Herausgeber der Caironicles, einem Webmagazin über die Ägyptische Revolution und das Leben in Kairo. Vor einigen Wochen hatte er mich angefragt, ob ich Lust hätte auf ein Interview über meine kulturelle Arbeit und Erfahrungen hier in Kairo. Das Interview hat dann per Skype stattgefunden und ich glaube, man kann hören, dass es wirklich Spaß gemacht hat:

Monika Bremer, Gründerin der Kulturagentur Govad, organisiert
Metalkonzerte in Kairo und unterrichtet Musik an einer deutschen Schule
in Ägypten. Sie erzählt von Tiefschlägen und Erfolgen, Schwierigkeiten
und Möglichkeiten, von Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern und
warum sie früher vielleicht eine ägyptische Prinzessin war.

Hier ist nun der Link zum Podcast – viel Spaß dabei!
http://www.caironicles.com/index.php/de/magazine/arts/306-kulturarbeit-in-zeiten-der-Revolution

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Foto Cairo