Landluft und Wüstensand

Morgens so gegen zehn. Die Tiere wurden auf die Weide gebracht und bekommen frisches Grünfutter, angeliefert von einem Jungen auf einem Esel. Das Grün wird verteilt. Die kleinen Ziegen springen umher und freuen sich, die Eselmama wird zum Eselbaby geführt damit dieses trinken kann, die Kühe kauen gemütlich vor sich hin und die Schafe passen auf, dass sie nicht von einer Kuh geärgert werden. Ein wenig später kommt eine der Landfrauen hinzu, setzt sich auf den spärlich mit Stroh bedeckten Boden, baut ein Dreibein aus Holz auf an dem etwas wie ein gefüllter Beutel hängt. Wir vermuten einen Magen oder ähnliches. Dieses Etwas wird dann tagein  tagaus mit der Hand hin und her und hin und her bewegt. Wir vermuten, dass das mal Ziegenkäse werden soll. Ich habe versucht zu fragen, und Madame Youssef hat auch freundlich geantwortet, ebenso die viel jüngere Nchbarstochter. Leider habe ich kein einziges Wort verstanden, denn selbst die Worte, die ich verstehen würde, sprechen sie in dieser Gegend wieder anders aus. Also bleibt es bei der Vermutung des Käse machens. Wenn etwas transportiert werden muss, machen das die jungen Mädchen und Frauen auf dem Kopf, die Männer per Esel und Moped. Ansonsten passiert nicht viel. Ruhe und eine eventuell nur vordergründige Gelassenheit. Mir schiesst der Gedanke durch den Kopf, dass, wenn der Sinn des Lebens wirklich sein sollte, Gott zu dienen, dieses ärmliche und für uns monotone Leben Gott aber eventuell gefallen würde.

   
 

Geschäfte sind Männersache. Eine Strassenkreuzung bietet alles, was das Männerherz begehrt. Da sind doch echt alle gleich 🙂 Eine Tankstelle und eine Werkstatt und Reifenhandel und Baumaterial, ein kleiner Coffee Shop und Obst und Gemüse und Garküchen. Rund um die Kreuzung in Wellblech- und Holzhüttchen. Bei der Fahrt durch die Dörfer zu einer kleinen Tempelanlage sahen wir Schreiner, Holzhandel, Keramik und noch mehr für Handwerk, aber auch kleine Läden und Büdchen. Wir wollten in die Wüste. Die Mini-Tempelanlage war einst Startpunkt für Karawanen. Heute sieht man nur noch ins weite Land über die Dörfer hinweg.

In der Wüste hinter dem Quarun See haben wir römische Ausgrabungen gesucht und gefunden. Eine einsame Strasse führt hinter dem See durch die Wüste und auf einer Anhöhe sahen wir Ruinen, die ich erst gar nicht als solche erkannte. Ich bin nicht wirklich Wüsten-erfahren und so konnte ich mir nicht vorstellen, dass wir wirklich zu dieser Anhöhe gelangen könnten. Wir mussten die Strasse verlassen und durch den Sand. Boh, das war aufregend und wir kamen tatsächlich an. Es war herrlich und interessant bis das Wetter umschlug. Es kam mehr und mehr Wind auf, was ich gleich an meinen Kontaktlinsen merkte. Zusammen mit einem Wärter stieg ich die Ruinen hinab und wartete auf meine Kollegen. Als die dann ankamen, hatten wir schon fast Sandsturm. Und Sandsturm in der Wüste ist wie Nebel im Gebirge. Es blendet und man sieht gar nichts. Den Weg zur Strasse haben wir dann auch nicht zurück gefunden, denn wir konnten die Fahrspuren des Hinwegs nicht mehr ausfindig machen. So schnell wie möglich fuhren wir zurück zu dem Ein-Zimmer-Hüttchen des Ruinenwächters, der dort zwei Tage pro Woche wacht und sich um uns kümmerte. Als die Sicht besser wurde, führte er uns mit seinem Moped wieder auf die Strasse und diesmal ging es ruck-zuck. Die Rückfahrt war dann für meine Kollegen nur noch ein Klaks. Auch am nächsten Tag haben wir die Weite der Wüste, Sand- und Steinformationen und die Ruhe genossen. Die Strasse ins Wadi El Hitan war weniger spektakulär als am Tag zuvor und natürlich mussten wir die einzige verlockende Sanddüne mit dem Jeep auf und abfahren. Männer sind halt Spielkinder. Wir waren dort nicht die ersten und durch die vielen Fahrspuren sah die Düne aus wie eine Skipiste, nur eben aus Sand. Der Blick war unglaublich. Ich wusste auch nicht, dass ein Jeep so steil geradeaus auf eine Sanddüne hochfahren kann. Aber ja, kann er 🙂

 

Das war schön die Tage im Fayoum. Raus aus dem Alltag und dem oft anstrengenden Kairo, das uns gleich mit Regen aber ohne Wasser in der Wohnung empfing. 7 Grad und Regen, das macht keinen Spass. Schön ins Bett einkuscheln, Fotos hochladen und sich an die tollen Eindrücke erinnern, die das Landleben und die Bilder der Wüste hinterlassen haben. Fotos folgen.