Kol asafir betir

Ein Kinderspiel: „Alle Vögel fliegen hooooch…“ auf arabisch. Meist hab ich verloren, denn viele Wörter die ich kenne, kenne ich dann nicht im Plural. Aber wenn man mit einem Vierjährigen und einem ägyptischen Nachbarsmädchen abends zum essen geht und warten muss, dann muss man die ja irgendwie beschäftigen. „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ habe ich abgeändert in „Eine Sache, rot, wo?“ Geklappt hat es trotzdem. Und eigentlich kann man Sprache nur so lernen. Dazu braucht man aber Zugang zu Ägyptern und entsprechende Bekannte. Dank Chor habe ich die jetzt und war wieder in Fayoum in einem kleinen Häuschen mit Nachbarsfamilien- und Dorfanschluss, weil meine Chorkollegin und Sohn dort bekannt sind. Dort geht nur arabisch und dort trifft man nette echte Ägypter. Die einfachen Bauern, Töpfer, Aussteiger und natürlich die Kairoer Wochenendgäste, denn Tunis ist Touristendorf. Da laufen halt die Nachbarskinder ins Haus um mit dem Jungen zu spielen und da muss man dann reden. Irgendwie. Und beim Tee bei der Töpferin gut zuhören, damit man weiss, worüber gesprochen wird. So geht das mit ägyptischen Kontakten und der Sprache. Langsam, mit viel Geduld, „ma3lesh“ und „inshallah“.

Der Bruder der Nachbarin mit seinen beiden Töchtern war dann auch mit uns mit auf dem Ausflug. Im Wadi Rayan wandern. In der Wüste. Also parken, von der Strasse aus durch einen Sandweg in die Wüste zum Felsenplateau. Dort eine kleine Düne hinauf und dann oben über den ganzen Felsen auf und ab, denn dahinter liegt der Magic Lake.

Auf dem Plateau sieht der „Wanderweg“ dann so aus:

  
Hat man das Plateau geschafft, dann muss man „nur noch“ diese Düne hier runter und kommt zum Magic Lake, einem wunderschönen Salzsee. Leider muss man auf dem Rückweg, die Düne dann auch wieder hoch 😀

  
Am Wochenende trifft man am See dann Camps mit Jeeps, die die Dünen auf und ab fahren, Sandboarder, junge Leute die grillen, reiten, Quad fahren. Kamele. Beduinen. Wochenendvergnügen.

Zu Fuss kommen nur wenige, und wenn auf dem Felsen gerade keine Jeeps fahren und die Sonne steil über der Wüste und dem Felsen steht, dann habe ich da schon Respekt. Vorsichtig Schritt für Schritt gucken wo es lang geht, und bloss nicht verlaufen. Ok ok, die nächste Strasse ist echt nicht weit und immer wieder kamen andere Ausflügler vorbei, aber trotzdem. Wüste ist Wüste und eben kein Wald oder so und mir doch recht fremd. Ganz stolz war ich, als ich alles trotz viel Wind und Kontaktlinsen und Sonne geschafft hatte.

Heute dann ein bisschen im Dorf zu Bekannten zum Tee. Dort traf ich einen jungen Mann in seiner Töpferwerkstatt und dachte, der macht es richtig. Besinnliche Musik und in aller Ruhe an einer Teekanne arbeiten. Dazu diese Aussicht. Reich wird man so nicht, aber es gibt doch noch andere Lebensformen. Schön!