Kirchenvorstand

 Letzten Freitag, am 20. Mai, bin ich nach dem Gottesdienst in der Gemeindeversammlung als zukünftiges Mitglied des Kirchenvorstandes der Deutsch Evangelischen Gemeinde in Kairo und Ägypten gewählt worden. Ein Kollegin fragte mich, ob ich mir eine Aufgabe dementsprechend vorstellen könne. Aber ich war mir nicht sicher, ob mich denn überhaupt jemand wählen würde. 

Ich bin ja nicht die typisch Gläubige, sondern eher die Hinterfragende. Schon mit acht im Religionsunterricht wurde die Frage gestellt, ob noch jemand eine Frage hätte. Ich meldete mich und meinte, was denn wäre, wenn wir das mit Jesus jetzt nicht richtig verstanden hätten und der das vielleicht ganz anders gemeint hat?! Ich glaube, ich war anstrengend 🙂 Aber erst bei den Schwestern im Kloster Selbitz habe ich nach Jahren wenigstens einige Antworten auf viele Fragen bekommen.

Dann bin ich auch nicht so konform, wie man sich das in meinem Lebenslauf vielleicht vorstellen würde. Keine gesandte Lehrerin, keine Gattin mit zwei Kindern, die ihren Mann in leitender Positiin nach Kairo begleitet. Stattdessen mache ich immer noch für viele „komische“ und unverständliche Dinge. Und das soll auch so bleiben.

Trotzdem bin ich so wie ich bin gewünscht und gewählt worden. Ob ich mir die Arbeit vorstellen kann und warum? Seitdem ich ins Orchester in München kam, sind die Themen Gemeinschaft, Glaube, Musik – das Motto des Orchesters – auch für mich wegweisend. Mit meinem Beginn an der DEO fand ich es schön zu sehen, dass Menschen aus der Gemeinde an der Schule beteiligt sind. Für den Weihnachtsbazar habe ich mich für das Kirchenzelt gemeldet und hatte das Gefühl, dort besser aufgehoben zu sein, als am Grillstand beispielsweise. Ausserdem haben wir dann ja Blechblasquartett gespielt, das war toll. Auch, wenn ich nicht diejenige bin, die regelmässig in Gottesdienste geht, das Leben nch dem Glauben ausgerichtet hat und zuversichtlich und unaufhaltlich glaubt, so habe ich gerne diejenigen Menschen um mich, die genau das tun und können. Ich zweifle nicht an etwas Allmächtigem, ich weiss von der Geschichte Gottes und kenne viel von seinem Wort. Ich weiss es, aber ich spüre es oft eben nicht. Und dann finde ich die Zuversicht und positive Einstellung derjeniger schön, die nicht so viel fragen wie ich.

Im Ostergottesdienst, der auch ein Taufgottesdienst war, durfte ich Klavier spielen. War ich sehr aufgeregt, wenn mich alle so sehen und dann in einem doch wichtigen Gottesdienst. Hat aber dann Spass gemacht und eines ist mir in Erinnerung geblieben. Stefan sprach über den Sinn der Taufe und kam unter anderem auf die Frage zu sprechen, warum Gott das alles zu lässt. Kriege, Not, Hunger, Krankheiten und all das Elend. Dann drehte er den Spiess um. Warum wir denn Gott quasi anklagen. Und – alles sinngemäss natürlich – gar nicht auf die Idee kommen, zu überlegen, ob Gott nicht sagen könnte: Ich habe Euch Menschen diese tolle Erde gegeben und Ihr habt es vermasselt. Ihr kriegt es nicht hin und ich bin jetzt sauer. Ein Appell an die Eigenverantwortung der Menschen. Wahrscheinlich sagt Gott gerade „Ihr habt es vermasselt“. Aber er sagt nicht „ich bin sauer“. Sondern durch die Taufe gehören wir seiner Gemeinschaft an, und er vergibt uns auch, wenn wir es vermasseln. So sinngemäss.

Zwei Dinge habe ich dabei gedacht. Zum einen: Ich denke immer nur in meinem kleinen Horizont und Umfeld, anstatt  mich  da mal gedanklich von zu lösen und klüger zu denken. Und zum anderen dachte ich: Stefan ist jemand, der eine Antwort hat. Ob mir seine Antworten immer so gefallen, weiss ich nicht, aber er hat zumindest mal eine Antwort. Und das hat mir gefallen.

So alles in allem finde ich das gut und freue mich, wenn ich in der Kirche aktiv mit gestalten kann. Dann kann ich auch nicht mehr über Kirche als Institution so viel meckern, wenn ich es mit gestalte, oder aber fundierter meckern 🙂

Zudem würde ich auch gerne in diesem Land, in dem ich ja derzeit lebe, etwas mit gestalten und ich denke, dass die Kirche und meine Kolleginnen und Kollegen das richtige Umfeld sind, um etwas zu bewirken; und das in Gemeinschaft.