Katzen, Katzen sind ok

Eine liebe Kollegin fragte mich vor ein paar Tagen, wie es mit meiner Journalistenausbildung gehe und ob das für mich eine Alternative wäre. Ich antwortete, dass hier zwar die spannenden Themen seien, derzeit aber, um nicht in Ungnade zu fallen wenn man hier leben möchte, kaum Themen veröffentlicht werden dürfen.

Nicht über Schule, nicht über Bildung, nicht über Gesellschaft, nicht über wirtschaftliche Situation, nicht über Ethik, nicht über Gesetze oder Politik, nicht über Religion, nicht über Frauen – und Menschenrechte, nicht über Umwelt. Also eigentlich über nichts, was wirklich wichtig wäre.

Ja über was darf man denn schreiben? Wie schön Ägypten ist. Ja, das geht. Pyramidenfotos sind immer sehr beliebt. Ohne weitere Kommentare, sonst käme man ja auf das Thema Belästigung, Umwelt und Tierschutz zu sprechen. Tun wir aber nicht.

Was dann noch? Katzen. Und Katzen Videos. Das geht. Immer schön und niedlich. Katzen, das geht.

Also gut, dann eben über Katzen.

Simba wäre gerne ein Löwe – eine Katzengeschichte für Kinder

Simba wurde auf einer grossen Strasse gefunden. Alleine. Er wollte ein Löwe sein, allerdings war er nur eine kleine hilflose Miezekatze. Und er kam zu uns und wuchs heran. Er liebte Musik und träumte von der grossen, weiten Welt, tagein, tagaus. Als er älter wurde, ging er ab und zu vor die Tür um jüngeren Katzen zu erzählen, wie toll Musik ist und dass er gerne in die grosse weite Welt reisen würde. Aber Simba war eine Wohnungskatze und kam zum fressen nach Hause. Keine Jagderfolge, keine Wildnis.

Das Schicksal meinte es gut mit ihm. Er durfte eine Zeit lang in der Fremde leben. Hurra, dachte er, ich bin doch ein Löwe. In dem neuen Zuhause gab es diesmal sogar zwei Mädchen, die rund um die Uhr mit ihm spielen wollten. Simba kam mit einer eingedellten Nase nach Hause. Aber das war egal, ich bin jetzt ein Löwe, dachte er. Doch sein Zuhause war, auch nach dem Umzug, immer noch eine Wohnung und nur ab und zu ging er vor die Tür. Endlich gab sich die Gelegenheit, dass Simba seine Löwenkraft beweisen konnte. Eine grosse Wiese vor dem neuen Zuhause mit vielen Katzen, und mutig gesellte er sich dazu. Ich bin ein Löwe, rief er, ich zeige Euch alles was ich weiss. Ich habe die Welt gesehen. Doch auch diesmal klappte das nicht. Obwohl er sich so viel Mühe gab, um alles toll und richtig zu machen. Nach einiger Zeit war Simba so frustriert, dass er krank wurde. Erst kam er in eine Katzenklinik, dann zog er wieder in die Wohnung ein. Er durfte noch nicht einmal mehr vor die Tür. Er liebte die Musik und hatte ein gemütliches Leben mit Balkon.

Simba wurde älter und träumte immer noch davon, ein starker Löwe zu sein. Wenn das hier nicht geht, dann gehe ich eben in die Fremde. Er suchte sich ein Land, in dem das Leben nicht ganz einfach ist. Doch das war ihm egal, dort wurde ein Löwe gesucht und er wollte dieser Löwe sein. Er hatte Glück, denn er war der einzige, der dort Löwe sein wollte.

Er wanderte aus und stand vor einem richtig grossen Rudel. Endlich war er ein Löwe und konnte tun und lassen was er wollte und alles bestimmen. Das Rudel war neugierig. Wie viel Jagderfolge dieser neue Löwe wohl hat? Das wird spannend, vielleicht bringt er neue Ideen und Techniken mit, damit wir noch erfolgreicher werden? Doch Simba, der wollte singen, denn das war das, was er liebte. Ausserdem fehlten ihm schliesslich jegliche Erfahrungen des jagens. Das Rudel wunderte sich. Singen? Hm, davon wird man nicht satt. So ein Unsinn.

Sie fragten nach neuen Jagdausflügen, nach neuen Ideen, nach neuen Techniken und zeigten stolz, was sie in den letzten Jahren alles erlegt hatten. Simba bekam Angst. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Und er überlegte sich eine Lösung. Fortan zeigte er seine Krallen, wenn jemand etwas anderes wünschte, als singen. Er legte die Ohren an, kratzte und biss, wartete oft hinter seiner Tür und sprang dann unerwartet aus dem Hinterhalt. Er war ein Löwe – dachte er und fauchte unaufhaltsam.

Das Rudel war verwirrt. Einige fingen tatsächlich an zu singen. Andere verliessen das Rudel. Und Simba ersetze diese nur mit Katzen, die singen wollten, das war wichtig.

Doch ohne Jagderfolge wird ein Rudel nicht satt. Sie taten sich zusammen, ignorierten den neuen Löwen und liessen ihn singen und gingen wieder jagen, so wie immer. Andere Löwen aus der Stadt merkten schliesslich, dass Simba immer nur Musik machte und das Rudel alleine jagen musste und alleine in der Wildnis war. Sie schickten ihn nach Hause und suchten einen neuen Löwen.

Und Simba? Der heisst jetzt Jasper und lebt friedlich wieder zuhause auf seinem Balkon.