Iftar in Kairo

Ich bin schon eine Weile im Cafe in unserer Strasse und hatte einen Sprachschüler und danach haben wir uns noch nett unterhalten. Ich habe die Chance genutzt und ihn gefragt, wer denn das Essen für das öffentliche Fastenbrechen (Iftar) bringt. Vor unserem Haus in der Mitte unserer Strasse ist ein breiter Grünstreifen und unter den Bäumen sind lange Tische aufgebaut, an denen die „armen Leute“ allabendlich gegen halb sieben Platz nehmen und auf Iftar warten. „Arme Leute“ finde ich etwas unglücklich ausgedrückt, weiss aber nicht, wie ich es anders sagen soll. Privatleute die etwas Gutes tun wollen, kochen für die oder Restaurants bringen Essen.

Eigentlich beobachte ich das meistens mit Respekt von unserer Terrasse aus. Nachdem das nette Gespräch etwas länger gedauert hat und man mir netterweise schon zwanzig Minuten vor Iftar das Essen gebracht hat, bleibe ich im Cafe. Jetzt bin ich mit respektvollem Abstand auf gleicher Höhe wie die Leute beim Iftar. Was machen die, wenn der Gebetsruf in einigen Minuten kommt? Alle erstmal beten oder gleich losessen? Ich würde als erstes trinken. In der Hitze während Tageslicht nicht trinken, wäre das Härteste für mich.

Jetzt kommt der Gebetsruf. Durch die Lautsprecher zieht sich das „allahu akbar“ (Gott ist grösser) wie ein Summen durch die ganze Stadt. Ausserdem schallt es aus allen ägyptischen Fernsehkanälen und Radiosendern.

Das Essen wird verteilt und die Männer stellen sich zum Gebet auf. Während ich hier schreibe, schaue ich ab und zu immer mal wieder verstohlen hinüber. Gehört sich ja eigentlich nicht, da so neugierig hinzugucken, doch ich finde es interessant.

Moustafa, der Kellner, hat nach meinem Namen gefragt und mir ganz stolz die Fotos seiner beiden Töchter auf dem Handy gezeigt. Und gejammert, dass ihm die Beine weh tun und er Kalzium und Vitamin B nimmt wenn ich das auf arabisch und mit seinen Erklärungen mit Händen und Füssen richtig verstanden habe. Seine Arbeitszeit im normalen Alltag, also nicht Ramadan, gehen von morgens vom Frühstück bis nachts um drei, im Ramadan bis morgens um acht.

Es ist immer noch ein bisschen Gewusel um die Essenstische, noch immer kommen Leute mit Platiktüten dazu und nehmen Platz. Alle Frauen sind traditionell gekleidet, viele in schwarz mit schwarzem Kopftuch. Man darf auch Essen mitbringen und sich dazu setzen, aber das wäre wirklich eine sehr mutige Erfahrung für mich, finde ich.

Gerade kam eine Gruppe Frauen vorbei und die Kinder laufen jetzt ins Restaurant und bekommen Essen. An den Tischen wird es ruhiger, einige Männder beten noch, doch im Wesentlichen wird jetzt gegessen. Überall gehen die Ramadan Laternen und Lichter jetzt an. Die Leute, die vorbeigehen, schauen mich an und ich die Leute. Es ist ruhig und friedlich, die Strassen fast leer. Am Donnerstag machen wir ein Iftar Barbecue auf unserer Terrasse und haben Freunde eingeladen. Eine Gegeneinladung zum privaten Iftar mit Mutter, Schwester und deren Kindern habe ich vom neuen Schüler auch schon erhalten. Schön. Ramadan Kareem.