Ich bin UBahn gefahren in Kairo

Ganz alleine. Ja lacht Ihr nur!

Der aktuelle UBahn Plan, den mir mein Kollege gegeben hatte, war nur auf arabisch. Ich musste zu Mary Girgis. Einer Station in Alt-Kairo. Denn dort ist das Kulturzentrum DARB1718, in dem wir eventuell den ägyptischen Battle und das Middle East Finale machen wollen. Die Pläne, die ich mit englischer Übersetzung finden konnte, die waren alt. Es wird gebaut. Und die Station „Sadat“ am Tahrir Platz ist immer noch geschlossen. Umsteigen also in Ramses, am Hauptbahnhof quasi. Heisst aber nicht Ramses 😀 Hiess mal „Mubarak“. Heisst aber jetzt „Shohadaa“, was immer das jetzt auch heisst.

Königsplatz und Marienplatz gibt es hier natürlich nicht. Hier ist mal ein Beispiel wie die Stationen hier heissen:

Stationen Metro

Und ich bin wirklich froh und positiv überrascht, wie sauber und organisiert die Metro/UBahn ist. Kein Fitzelchen Papier liegt dort rum, kein Graffiti, nichts. Und alles in Englisch und Arabisch, puh. Ich dachte nur an „Underground“ und wie es schon oben teilweise in Kairo aussieht und bin positiv überrascht worden. Bin nach Dokki zur Metro mit dem Taxi gefahren für 10 EGP, ca. 80 Cent, bisschen mehr vielleicht. Und Metro fahren kostet hier 1 EGP, das sind knapp 10 Cent. Man geht mit dem Ticket rein in die Station und muss es aufbewahren. Denn damit kommt man auch wieder raus. So sehen die Eingänge aus, damals hiess es eben noch „Mubarak“. Genauso sauber aber ist es heute auch noch und das Foto hab ich auch nicht selbst gemacht.

direction Giza

Es hiess sei vorsichtig vor Dieben. Geh in das Frauenabteil. Ich hatte mir auf meinem Zettel die Stationen und Umsteigestation aufgeschrieben, aber es war alles auch in der UBahn angeschrieben auf arabisch und auf englisch, also völlig easy. Und ich bin wirklich in eines der Frauenabteile gegangen. Halleluhja, da war was los. Wir sind nicht eingstiegen, wir sind reingeschoben worden. Es war Feierabendverkehr und normale Leute fahren natürlich nicht mit dem Taxi zur Arbeit. Entweder mit einem Firmenbus wie wir mit dem Schulbus oder aber mit dem Auto oder eben UBahn. Es war genauso voll wie die vollste UBahn die ich damals in Rio gesehen habe. Da denkt man, da passt niemand mehr rein und dann kommen doch noch fünf mehr mit! Irgendwie habe ich heute auch nur nette Menschen in der UBahn getroffen. Und sehr höflich. Ältere Leute und Mütter mit jungen Kindern wird der Platz angeboten. Und jeder fragt höflich ob er durch kann wenn er raus muss. Also völlig normal. Ich bin zwar angeguckt worden, klar. Aber ich gucke ja auch immer, ist doch logisch und hab mich nett unterhalten so weit mein Wortschatz reichte. Ausserdem lerne ich gerade lesen. So wie damals als ich deutsch lesen gelernt habe. Lese alles oder versuche es, was irgendwie irgendwo angeschrieben steht. Mein erstes deutsches Wort war „Omo“ – ratet mal, welches Waschpulver meine Mama damals benutzt hat. Und so mache ich es auch. Lese alle Strassenschiler etc, insbesondere, wenn die englische Übersetzung daneben steht. Ansonsten kommt schon mal Kauderwelsch dabei raus weil die ja die kurzen Vokale nicht mitschreiben. Da steht dann da anstatt „maktaba“ für Schreibwarenladen „mktb“. Das kann aber auch „maktab“ heissen wie z.B. Büro. Oder „miktab“ was irgendwas mit schreiben auch zu tun hat. Wenn man es nicht weiss. Ganz stolz bin ich jedenfalls pünktlich und heil umgestiegen und dann in Mary Girgis angekommen, hatte ein gutes Meeting und bin dann zurück gefahren. Ganz stolz und gut gelaunt und es war total interessant.

Die Frauen mit ihren Kopftüchern machen manchmal wirklich Dinge zum schmunzeln. Wenn sie ihre Kopftücher aufhaben, haben sie darunter ein elastisches Untertuch. Wenn sie telefonieren wollen aber beide Hände voll haben, dann klemmen sie das Telefon zwischen Ohr und Untertuch und dadurch dass das elastisch ist wie eine Strumpfhose, fällt es auch nicht runter. Heute habe ich gesehen, dass viele Frauen ihre Fahrkarten die sie ja am Ausgang wieder brauchen, genauso aufbewahren, einfach unter das Kopftuch geklemmt. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Und es ist immer was los wenn mehrere Ägypter aufeinander treffen. Wie auf einem Bazar ging es zu auf der Rückfahrt. Es war nicht mehr so voll, ganz normaler UBahn Betrieb. Plötzlich waren junge Männer im Abteil. Ach herrje, dachte ich. Gibt es jetzt Ärger? Man liest schon mal, dass es respektlose Männer geben soll, die einfach in die Frauenabteile gehen. Nö, der Typ war ein fliegender Händler. Verkaufte einfarbige Stretchkopftücher und Schals in den dezenten Farben knallpink, schreiend lila und kackbraun. Für 25 EGP, sowas um den Dreh. Und dann kommen diese ich sag mal Weiber in der UBahn angelaufen wie auf dem Marktplatz und fangen an zu schnattern und zu handeln und anzufassen und zu kramen und herumzuzupfen. Dazwischen ruft dann eine dazu gestoßene fliegende Händlerin ihre Angebote für Kajalstifte und Lippenstifte aus! Erfindungsreich sind sie ja die Ägypter. Solche Leute mag ich und nette junge Frauen habe ich getroffen. Schön war das alles.

Dabei fing der Tag ziemlich unglücklich an, weil ich heute morgen fast eine Stunde auf den Schulbus warten musste. Dachte erst, weil am 25., also gestern, wieder einmal Revolutionstag gewesen ist. Es war aber soweit mal alles ruhig. Wir waren am Samstag downtown und auch am Talat Taarb Platz, da gab es eine kleine Demo mit bisschen Tränengas. Fotojournalisten hatten uns im Horreia davon erzählt. Als wir kamen, war alles wieder ruhig. Angeblich soll kurz vorher eine junge Frau erschossen worden sein. Wir haben keine Schüsse gehört und nichts mitbekommen, Freunde, die uns noch trafen meinten, da wäre ein Unfall gewesen. Nichts genaues weiss man nicht aber in den Medien hat die böse Polizei geschossen die aber – und das ist auch nicht neu – wieder einmal alles abstreitet. Ich kann dazu nichts sagen, denn ich habe nichts gesehen. Unter der Rubrik „Kairo“ hier habe ich übrigens Links zu Nachrichten zusammengefasst und von den Egytian Streets läuft ein Ticker. Aber nein, der Bus heute morgen hatte nichts mit dem Revolutionstag zu tun. Die Amerikanische Schule auf unserem Gelände hat heute frei und man hat uns, die Britische Schule, schlichtweg vergessen. Na bravo.

Aber gottlob ist doch noch ein positiver und erfahrungsreicher Tag daraus geworden! Wie schön hier zu sein!

PS: Wenn man mal ganz genau hinschaut, dann erkennt man, dass die Bahnhofsuhr nicht in unseren sondern denjenigen Zahlen geschrieben sind, die sie hier im arabischen benutzen 🙂

ladies metro cairo

 

ladies metro