Frühlingsluft und Stille

100 km von Kairo entfernt und schon wieder eine ganz andere Welt. Dunkelblauer Himmel und es fühlt sich nach Frühling an Ende Januar. Die Bougainville blühen, in der Sonne ist es warm, vom Roof Top Blick auf den See und die Wüste. Hier ist nichts ausser ein paar Hütten, ein paar Häusern, Bauern und Künstlern. Tiere weiden auf dem leeren Platz neben unserem Haus, ohne Zaun. Ziegen, Schafe, Kühe. Man hört Esel, Grillen, Hundegebell. Nachts ist auch von den wenigen Autos nichts mehr zu hören.

Die Frauen aus der Nachbarschaft wollten gleich Geschäft mit uns machen, das Haus putzen, Eier und Frühstück verkaufen. Eine war so dreist zu behaupten, sie bekäme das Geld für die Übernachtungen.

Wenn wir beim Kaffee trinken oder Bierchen laut lachen, bekommen wir ein schlechtes Gewissen wegen unserer Nachbarn. Das Leben hier ist anders, ganz anders. Dass man versucht, mit uns Geschäft zu machen, ist irgendwie verständlich. Nicht nett aber verständlich. Unser Haus ist ganz einfach aber sauber und nett. Die Nachbarhäuser würden wir als ärmlich bezeichnen. Fühlt sich ein bisschen wir Tangua/Rio an. Was macht man hier ein Leben lang? Und natürlich gehen hier alle zur Moschee. Das ist die einzige Möglichkeit der Information und Kommunikation. Eine Stadtverwaltung habe ich hier nicht gesehen. Friedlich ist es hier. Kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen aus den Nachbarhütten am Revolutionstag auf uns schiessen oder uns entführen. Aber man weiss ja nie, welches Gefühl wir komischen Ausländer bei ihnen hinterlassen. Die Sprache ist auch bisschen anders als in Kairo und somit die Verständigung ein wenig schwieriger als ohnehin schon in arabisch. Vielleicht doch ein bisschen leiser lachen?