„Frau Monika“, frische Datteln und ein Fahrrad…

Mein Leben in Kairo hat sich verändert, denn es ist Lebensmittelpunkt geworden.

Die Arbeit am Sprachinstitut hat Spaß gemacht. Wegen der jungen Leute die zu mir in die Unterrichtsstunden kamen. Und weil es toll war, positives Feedback zu bekommen und zu sehen, wie alle gut mitgemacht und gelernt haben und Spaß dabei hatten. Aber anstrengend war es und total chaotisch. Nichts wirklich organisiert. Was einem den Freiraum läßt, alles selbst zu gestalten, aber auch dazu nötigt, alles selbst zu gestalten. Anscheinend aber ist die Art, wie ich das gestalte, lebendig und erfolgreich. Meine SchülerInnen haben mich jedenfalls geliebt und waren traurig, dass ich die Arbeit am Institut nicht fortsetzen kann.

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Eigentlich wollte ich mir nur eine etwas bessere bezahlte Arbeit an einem anderen Sprachinstitut suchen. Damit ich z.B. bis Oktober hier bleiben und mir Miete und Leben hier leisten kann. Denn im Oktober ist für den Wacken Metal Battle der Call for Bands und da sollte ich hier sein. Also war die Idee, während meiner Zeit hier mit Deutschunterricht das Leben in Kairo zu finanzieren. Nun hatten aber eine Menge Foreigner freiwillig oder auch unfreiwillig Ägypten verlassen. Noch immer gilt Ausnahmezustand und Abends gibt es Ausgangssperre, allerdings ab Samstag von Mitternacht bis morgens um fünf was wirklich fast nicht mehr schlimm ist. Aber diejenigen, die offiziell aus Deutschland nach Ägypten gesandt worden sind, die durften bislang aus Sicherheitsgründen nicht zurück. Nicht, weil es hier unsicherer wäre als in den Wochen zuvor, sondern weil das Auswärtige Amt – also mein „Freund“ Westerwelle“ – das so will. Meine Mitbewohnerin hier, die hier für die GIZ ein Praktikum gemacht hat, mußte Kairo von einem Tag auf den anderen verlassen und kommt auch nicht wieder. Und ist wirklich sauer darüber. Denn es gibt keinen konkreten Grund. Wenn man sich entscheidet, für eine Zeit lang im Ausland zu sein, kann man nicht erwarten, dass das Leben hier beispielsweise so ist wie in Deutschland. Hier ist es immer gefährlicher. Alleine schon über die Strasse zu gehen ist hier gefährlich. Die deutschen Firmen sind aber für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Und wenn Ägypten offiziell den Status Ausnahmezustand hat, dann gilt das als unsicher und somit sind die meisten Foreigner entweder noch nicht wieder oder nicht mehr hier. Völlig ungeachtet dessen, wie es hier wirklich zugeht.

Jedenfalls fehlen hier derzeit Lehrkräfte und auf der Suche nach besser bezahlter Arbeit an einem Sprachinstitut begleitet von dem Wunsch erstmal hierzubleiben sowie der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, gab man mir den Tip, mich doch mal an deutschen Schulen zu bewerben. Erst war ich skeptisch, denn ich bin keine studierte Lehrerin. Manche nehmen einen dann gar nicht und andere bezahlen dich dann anders. Als Lehrer Assistenz quasi. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich gut genug wäre, überhaupt an einer Schule zu unterrichten. Nachdem ich jedoch so tolles Feedback vom Institut bekommen hatte und die mich unbedingt behalten wollten, habe ich mich doch getraut. Und als sollte es so sein, habe ich meinen Traumjob gefunden. Den Bereich Musik aufbauen an einer deutschen Schule namens „Beverly Hills“ in Richtung 6. Oktober City in Sheikh Zayed.

Als der Schulleiter mir mehr oder weniger umgehend antwortete und mich fragte, ob ich mir das vorstellen könne, hab ich fast laut hurra gerufen und als erstes mal meinen Bruder angerufen. Na und wie ich mir das (inzwischen) vorstellen kann. Zwar hätte ich eventuell auch an einer anderen Schule Deutsch und Kunst unterrichten können und die Bezahlung wäre auch besser gewesen. Aber so richtig wollen wollte ich eigentlich nur den Musikunterricht-Job und habe nach dem Vorstellungsgespräch noch gleichtägig zugesagt. Alles paßt irgendwie. Die Schule liegt in einem Vorort von Kairo. Eine Art Compougn. Sauber, neu gebaut, bewacht von Security, frische Luft und gehobener Standard in allem. Ein bißchen wie die Urlaubsorte am Meer. Aber nur ein bißchen 🙂 Die erste Woche war Vorbereitungswoche für die Lehrer. Ich war seit 25 Jahren nicht mehr an einer Schule und alles ist irgendwie vertraut aber auch total neu. Für den Musikunterricht gibt es bislang gar nichts. Na ja, fast nichts. Wir haben einen Raum 🙂 Alles andere muss organisiert werden. Die KollegInnen sind toll. Es fühlt sich überhaupt nicht nach Wettbewerb oder Machtgerangel an, sondern nach richtigen Kollegen. Man hilft sich. Vor allem auch mir. In der ersten Woche fand ich gleich eine Mitfahrgelegenheit mit zwei weiteren Kolleginnen und im Lehrerzimmer geht es nett zu. Lehrerzimmer das war doch immer so streng und geheimnisvoll. Ha ha und jetzt sitze ich selbst dort. Habe die Aufgabe der Kaffee-Organisation übernommen. Aus reinem Eigennutz 🙂 Ausserdem brauche ich mehr Kontakt zu meinen KollegInnen, denn meistens sitze ich in meinem Musikzimmer und muss den Raum umräumen, Musik wechseln etc. Von Routine noch keine Spur.

Aber immerhin – seit letztem Sonntag – unser Wochenende ist hier ja freitags und samstags – bin ich „Frau Monika“, die Musiklehrerin. Frau Monika das ist sehr höflich. Dachte am Institut die sind blöd und verstehen das nicht. Dabei war ich blöd und habe das nicht verstanden. Frau ist sehr höflich und den Vornamen zu nennen auch. Denn hier in Ägypten sind die weiteren Namen männliche Namen, die Vaternamen. Ich könnte beispielsweise Monika Ahmed Mohannad Mohamed heissen. Und wer will denn als Frau schon als Frau Mohamed angesprochen werden. Also bin ich Frau Monika. Und habe als Musiklehrerin 12 Klassen. Von 3a bis 6b immer je zwei pro Jahrgangsstufe und dann noch 7, 8, 9 und 10. Die Klasse 1b und die 11 nur als Vertretung. Der Musikunterricht als solches ist auch nicht anders, als im Orchster die Flötengruppe oder in Rio die Kinder zu unterrichten. Es erinnert mich eh alles ein bißchen an Rio. Der Raum ist noch fast leer. Die 5b hat schöne Bilder mit einem Violinschlüssel gemalt und die achte Klasse hat mit Schildern aus dem Musikraum einen Backstage Bereich gemacht, der jedem jetzt schon an der Tür sagt „VIPs“ only. Es fällt mir leicht, mir Dinge für den Unterricht auszudenken. In den ersten sechs Wochen erstmal Grundlagen im Notenlesen schaffen und das Thema Programmmusik. Letztes Jahr gab es gar keinen Musikunterricht und dem Lehrplan folgen, insbesondere in der Oberstufe, das wird erstmal nicht gehen. Bis Ende Oktober wird jede Klasse mehr oder weniger Noten lesen können. Mit Notenwerten haben wir angefangen. Viertelnoten, halbe Noten, Achtelnoten. Und das dann klatschen. Für die Klasse vier sollte es – weil sie rumgetobt haben – eine Strafe sein, im Klassenzimmer bleiben zu müssen. Mit der Klassenlehrerin wurde dann besprochen, dass man auch im Musikunterricht brav sein und der Frau Monika gehorchen muss. Vor allem, wenn man vom Klassenzimmer ins Musikzimmer gehen soll. Schubsen und toben im Flur geht halt nicht. Dann muss man zurück ins Klassenzimmer. Der „Ruhe-Strich“ wird jetzt auch im Musikunterricht gemacht. Ein langer Strich über die gesamte Tafellänge. Links am Strichende steht „Kein Musik“. Und wenn die ganze Klasse laut ist, dann wird rechts vom Strich etwas weggewischt und der Strich wird kürzer. Wenn die ganze Klasse laut ist, ein langer Strich, wenn nur einige laut sind, ein kleiner Strich. Das klappt gut! Denn „Kein Musik“ will niemand.
Wir blieben also in der Klasse und lernten Notenwerte. Vierte Klasse, angefangen mit Viertelnoten, Achtelnoten, halben Noten. Klatschen durften die das. Und dann eine Gruppe Achtelnoten, eine andere halbe Noten und eine andere Viertelnoten. Und das klang richtig gut. Und klappte richtig gut. Leider seufz. Denn anschließend kamen die Kinder zu mir: Frau Monika Frau Monika wir wollen nie wieder in den Musikraum wir wollen Notenlernen. Tja sowas blödes… Anscheinend hat selbst das Spass gemacht. Klasse drei, gleiches Programm aber im Musikraum, lief hinterher zur ihrer Klassenlehrerin Frau Brunhild. Frau Brunhild Frau Brunhild schau mal was wir gelernt haben und haben ihr was vorgeklatscht. So süß. Das ist das Dilemma. Die Kinder sind toll. Und ich musste zumindest in der ersten Woche mal streng mit ihnen sein. Die erste Woche ist für alle Kinder wieder neu. Und dann in den Musikraum zu gehen – auch wenn der noch leer ist (Keine Instrumente, keine Bücher, keine Poster etc.) ist es spannend. Es gibt ein iPad mit Musik. Es wird im Stuhlkreis gesessen und manchmal gesungen und getanzt. Mit den jüngeren. Mit den älteren Klassen ab Klasse 8 wird zunächst mal das Schuljahr besprochen und dann auch dort – Noten lernen und Programmmusik. Karneval der Tiere für die Kleinen. Peter und der Wolf Grundschule und Beginn Sekundarstufe, also 5 und 6. Klassen 7 und 8 Vivaldis Vier Jahreszeiten und die „Großen“ Bilder einer Ausstellung von Mussorgsky. Leider weiss ich von den Jahreszeiten und den Bildern einer Ausstellung auch nur das, was ich selbst in der Schule gelernt habe oder was auf dem CD Cover steht. Und das reicht nicht. Denn die Kinder sind toll. Auch wenn sich zwei Jungs in der achten fast geprügelt hätten und ich laut wurde weil geschubst und geboxt wurde und sie raus mussten. Die größeren Kinder sind super. Mit denen kann man ganz anders aber richtig gut arbeiten. Wenn Programmmusik fertig ist, wollen wir uns um Musik in der Werbung und um Filmmusik kümmern, wenn wir Notenwerte kennen, daraus schon mal einen Rap machen. Und es geht Hand in Hand mit dem Kunstunterricht. Denn Musik und Kunst wird geteilt. Entwder halbjahresweise oder so wie ich es mit Frau Kathrin gemacht habe, eine Stunde Musik, eine Stunde Kunst. Der Kunstunterricht ist auch für mich noch interessant! Sie werden ungegenständlich nach Vivaldis Jahreszeiten malen und sie werden aus Ton die Bilder von Mussorgsky nachbauen. Das würde mir doch auch echt Spass machen. Gestern die neunte Klasse tat mir fast leid. Wir hatten Sandsturm. ca. 50 Grad Hitze. Offiziell in Kairo 41, das sind echte ca 50 Grad. Wenn man aus dem Gebäude oder dem Taxi herauskam war das wie in einen Backofen. Richtig heisse Luft und der Wind blies einem noch heissen Sand ins Gesicht. Die Neunte hatte dabei erst zwei Stunden Sport und dann eine Stunde Musik und Kunst. Die Armen. Müde waren sie aber klasse.

Ich mag die Kinder einfach. Wenn wir morgens mit dem Schulbus fahren, dann holt mich der Bus morgens um 6.40 in Zamalek ab. Einige Lehrerinnen sind schon da und dann werden die Kinder abgeholt. Aus Zamalek, Mohandessin und Agouza. Man sieht wo die Kinder wohnen, manchmal sieht man die Eltern und das alles ist super spannend. Denn das alles ist immer mehr Kairo als Zamalek, wo eben viele Foreigner wohnen. Mohandessin ist richtig ägyptisch und ich liebe das. Was mir dann durch den Kopf geht, sind die Eindrücke, die die Kinder dann gewinnen. Wenn wir Panzer auf der Strasse sehen, können wir Erwachsenen dann reflektieren über Politik und Gesellschaft. Aber diese Kinder, für die sind Panzer auf der Strasse derzeit Alltag mit dem sie aufwachsen. Bei einem Kennenlernspiel (aus dem Kindergottesdienst) in der Schule in der ersten Stunde durften die Kinder Ballons, Sticker und Steinchen in eine Schale in die Mitte legen. Je nachdem, ob sie fröhlich oder traurig waren oder sich etwas wünschten. Ein Junge aus Klasse drei hat sich etwas gewünscht: Ich wünsche mir, dass Ägypten wieder einen guten Bestimmer bekommt. Und ein Mädchen aus der gleichen Klasse wünschte sich: Ich wünsche mir dass Ägypten wieder ein gutes Land ist und kein böses mehr. Huh …
Dass ich auch im Bus „Frau Monika“ bin hatte ich gar nicht bedacht. Sarah war müde und wollte schlafen und legte erst ihren Kopf an meine Schulter, später schlief sie dann friedlich auf meinem Schoss in meinen Armen als würde sie mich schon ewig kennen. Der Junge aus Klasse drei war auf dem Rückweg allerdings gar nicht müde, sondern quicklebendig. Hat mir auf deutsch – und unser ganzer Unterricht ist auf deutsch, geheult und gestritten wird allerdings auf arabisch, das darf man nicht verkennen – dann alles erzählt über Schildkröten, warum der Verkehr in Kairo nicht funktioniert und wie man mit einem Zug oder Auto in allen möglichen Varianten einen Unfall bauen kann und was für Unfälle er schon alles gesehen hat. Wie kann man nur so wach sein nach acht Stunden Schule und dann bei der Hitze. Unser Kindergarten Kind das jeden Morgen mitfährt – wir haben Kindergarten, Grundschule und Gymnasium an unserer Schule – der war gestern morgen auch quietschlebendig. Ich bin heute ein Kätzchen. Miau Miau krabbelte er in den Bus. Und dann passieren Dinge wie sie in Kairo eben passieren und für eine Schule haben diese Dinge dann nochmal eine ganz andere Perspektive.

Der Unterricht bzw. Tabur findet derzeit eine Stunde später statt. Tabur ist der Fahnengruss. Die Ägyptische Fahne wird gehisst, alle Kinder stehen klassenweise in einer Reihe, die Lehrer der ersten Stunde davor, alle anderen dahinter. Nach dem hissen der Fahne heißt es drei Mal Allahu akbar – Gott ist größer (na ja, das schadet ja nicht) und dann etwas was ich mir nicht merken kann aber übersetzt sowas heisst wie Gelobt sei der Staat Ägypten. Na ja. Danach kommt die Nationalhymne. Baladi Baladi Beladi, laki hummi wa fuadi… Den Rest kann ich noch nicht. Begleitet von einem schrecklichen Keyboard. Erstes Projekt: Das Keyboard ablösen und gescheit singen lassen. Also dieses Tabur soll normalerweise um 7.45h stattfinden, erste Stunde um 8.40h. Die fällt jetzt aus. Tabur ist 8.30, erste Stunde um 8.40h. Weil die Kinder wegen Curfew, also Ausgangssperre sonst nicht rechtzeitig in die Schule kommen. Man darf vor 6 Uhr nicht auf die Strasse. Ich gehe so 6.20h los um zur Bus-Treffstelle zu gehen. Und da ist der Bus schon unterwegs. Dinge, die einem in Deutschland nicht passieren. Gestern fuhren wir dann einen anderen Weg nach Sheikh Zayed. Ich dachte, die andere Strecke ist voll. War aber nicht voll, war gesperrt. Wegen Schiessereien in Kerdasa. Kerdasa ist ein Dorf ca. 10 km ausserhalb Kairos. Dorthin haben sich viele Führer der Muslimbrüder abgesetzt nachdem Rabaa geräumt wurde. Das Militär plante, die Häuser der Führer zu stürmen und etliche Leute zu verhaften. Sowas geht in Ägypten niemals unblutig. Jeder hat hier Waffen und somit wurde auch ein Polizeigeneral aus Giza erschossen. Wir kamen in der Schule an und plötzlich sieht die Welt ganz anders aus. Viele Kindern und Lehrer kommen nicht aus den Vororten sondern aus Kairo selbst. Als erstes muss geprüft werden – sind alle Kinder und Lehrer da? Sind alle unbeschadet? Wer fehlt noch und wo sind die die fehlen und in welcher Situation? Kann Unterricht gemacht werden oder ist die Situation so, dass man alle sofort wieder nach Hause schickt? Die Zubringerstrassen raus aus Kairo waren für 1-2 Stunden alle gesperrt. Wäre das bei Schulende immer noch so gewesen, hätten wir weder Lehrer noch Kinder heil nach Hause bringen können. Gottlob war alles dann zum Schulende wieder ruhig. Auch in Kairo ist nichts passiert. Man weiss ja nie. Da finden Übergriffe in Kerdasa statt und wenn die Muslimbrüder in Kairo meinen, sie finden das nicht toll und müssen auch in Kairo Krawall machen… War aber nicht so. Das aber hat mir wieder einmal mehr deutlich gemacht, dass Kairo jetzt mein Lebensmittelpunkt ist. Nichts mehr mit – ach, dann gehe ich zum Friseur wenn ich wieder in München bin oder ach das besorge und organisiere ich in München. Jetzt bin ich hier. Mehr oder weniger durchgehend bis Juni. Und die Zeiten in denen ich „Foreigner“ war, der nicht so genau weiss wie man was zu tun hat wenn politisch was passiert, die sind auch vorbei. Spätestens seit letztem Sonntag. Denn seitdem bin ich Frau Monika mit Verantwortung für die Kinder. Und das nicht nur im Musikunterricht. Auch in der Pausenaufsicht, im Schulbus und wenn es darum geht, festzustellen, ob die Kinder fröhlich oder traurig sind und was sie sich wünschen. Kairo ist Lebensmittelpunkt geworden und nicht mehr nur Projektzeit. Aber das ist toll. Ich bin glücklich hier und freue mich dass es so gekommen ist. Und auf die nächste Zeit hier.

Heute ist mal wieder Freitag aber es ist ruhig. Somit gehe ich jetzt eine halbe Stunde Fahrrad fahren. Ich habe mir nämlich einen Wunsch erfüllt und mir ein Fahrrad gekauft. Was völlig unüblich ist weil der Vekehr hier wirklich chaotisch ist. Aber ich wollte ein bisschen Mobilität. Nicht immer nur in der Hitze ein paar Meter zu Fuss gehen können und ansonsten auf ein Taxi angewiesen sein. Man schaut mich an, wenn ich damit unterwegs bin aber ehrlich gesagt, sie schauen mich eh an. Also was solls. Ich bin happy und habe ein Fahrrad in Kairo. Meine neue Tasche für die Schule war übrigens teurer als das Fahrrad hier 🙂

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Ach so – die Datteln habe ich vergessen. Auf dem Schulweg kommen wir an ländlichen Gebieten vorbei. Dort wird derzeit geerntet, klar, es ist ja Herbst. Neulich ist ein Kamel an mir vorbei gelaufen, ha ha das war lustig. Einfach so. Kamel, Muli und Esel sind hier mit Karren ganz normale Transportmittel für Bauern. Und es wird geerntet und verkauft, was das Land hergibt. Das ist toll. Ich habe noch nie gesehen, dass hier gespritzt wird. Dementsprechend sehen die Tomaten beispielsweise auch aus. Nicht schön glatt und genormt, sondern kugelig oder eierig, groß oder klein aber immer schmecken sie nach Tomaten. Bananenzeit war auch schon. Und Kaktusfrüchte gab es. Importiert gibt es hier im Metrosupermarkt auch das ganze Jahr über viele Früchte. Aber auch nicht alle wie bei uns. Wenn man wissen will, was gerade reif ist und wofür Erntezeit ist, dann geht man zu den Karren der Bauern die ihre Früchte in den Strassen verkaufen. Bananen frisch von der Staude, Kaktusfrüchte die einem der Bauer direkt schält und derzeit sind es Datteln. Das ist toll. Die Dattelpalmen tragen derzeit schwere Trauben voll reifen, zuckersüßen Datteln. Gelbe oder braune pralle süße Datteln. Nicht zu vergleichen mit den Trockenfrüchten die bei uns im Winter angeboten werden. Unglaublich. Es sieht toll aus an den Palmen und die schmecken super! Manche Palmen sehen schon ziemlich zerzaust aus, besonders diejenigen rund um unsere Schule. Es ist mir ein Rätsel, wie die jungen Männer einfach so an den Palmenstämmen hochklettern können. Aber sie schaffen es.

Kairo hat viele Probleme. Politik, Infrastruktur wie Verkehr und Müll (wegen Korruption, das Geld wird einfach nicht investitiert doch dazu nächstes Mal mehr), Ausbildung, Arbeit. Aber das Leben in Kairo ist nicht so genormt wie in Europa und das ist toll. Es ist ein anderes Lebensgefühl. Es ist eine andere Erfahrung. Es ist eine riesige Herausforderung und es erinnert mich immer wieder an Rio.

Jeder, der Lust hat, mich hier zu besuchen, ist mehr als willkommen. In diesem Sinne – schönes Wochenende