Baustelle

Neben meiner Wohnung wird gebaut. Erst wollte ich mich aufregen, dann habe ich entschieden, etwas daraus zu machen. Lärm stört mich immer dann, wenn ich nicht weiß wo es her kommt, Warum beispielsweise gehämmert wird und wie lange es dauert. Also entschied ich, mal genauer hinzusehen. Ich fand es so interessant, daß ich mich entschied, die Momente in einem Video festzuhalten. Aus mehrstündigen Beobachtungen – immer mal wieder mit Unterbrechungen – von meinem kleinen Balkon aus, entstand ein gut neunminütiger kleiner Film. Ohne Textkommentar, den schreibe ich hier.

Inzwischen unterschreibe ich auch, daß die Ägypter die Pyramiden gebaut haben.

Ein Haus soll wohl gebaut werden und so Stahl-Stangen-Rohre, keine Ahnung wie die wirklich heißen, müssen in den Boden. Dazu braucht es Löcher im Boden, tiefe Löcher.

Ich dachte immer, für tiefe Löcher gäbe es lange Bohrer.

„Meine“ Arbeiter haben eine immerhin elektrische Seilwinde und Stahlrohre. Die elektrische Seilwinde braucht Strom, also läuft während der Arbeitszeit von zirka zehn Uhr morgens bis mittags um fünf ein Generator. Ebenso macht die Seilwinde Lärm, Ist, glaube ich, schön auf dem Video zu hören.

Es geht los, daß eine Art Rammrohr mit Hilfe der Winde ein paar Mal senkrecht in den Boden geschlagen wird. Dadurch, daß das Rohr innen hohl ist, bleibt Sand im Rohr stecken. Dieser wird dann aus dem Rohr entfernt.

Und so einfach ist das dann auch schon.

Rohre werden in den Boden gerammt. Schlamm und Erde bleibt im Hohlkörper des Rohres hängen und wird ausgeleert. So entsteht ein Loch. Damit dieses nicht zusammen fällt, wird ein Außenrohr mit in den Boden gerammt, das quasi das Loch leer hält. Wenn das Außenrohr zu kurz wird weil es in den Boden sackt, wird manuell ein Verlängerungsrohr angeschraubt. Ja, manuell. Mit einer Technik, die mich an Zugtiere erinnert. Soll nicht gemein gemeint sein. Ich finde es erstaunlich, daß das überhaupt funktioniert.

Zwischendurch wird das innere Aushubrohr – boh was ich heute für Baustellen Wörter erfinde – immer mal wieder ausgeleert. Ist das Loch tief genug, wird – tja, was ist das? – Kies, Beton, Mörtel in das Rohr gefüllt. Mit Wasser. Ein Schlauch wird reingehalten und Säckeweise Zeug wird in das Rohr gefüllt. Das Stahlstangenrohr wird in das Loch fallen gelassen, die restlichen Säcke darin ausgeleert, Rohre aus dem Boden, feinjustieren des Stahlstangenrohres, trocknen lassen, fertig.

Klingt ein bisschen wie in der Sendung mit der Maus. Ich fand es jedoch sehr spannend anzusehen.

Viel Spaß dabei: